Der digitale Produktpass
Der Digitale Produktpass ist ein zentrales Instrument des European Green Deal und dient der Umsetzung der europäischen Strategie für Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft. Der European Green Deal wurde 2019 von der Europäischen Kommission beschlossen, um die EU bis 2050 klimaneutral zu machen und wirtschaftliches Wachstum vom Verbrauch endlicher Ressourcen zu entkoppeln. Er versteht sich nicht nur als Umweltprogramm, sondern als umfassende Transformationsstrategie, die Industrie-, Wirtschafts-, Digital- und Umweltpolitik miteinander verbindet.
Ein wesentlicher Ansatz des Green Deal ist der Übergang von einer linearen zu einer kreislauforientierten Wirtschaft. Da die Umweltwirkungen von Produkten größtenteils bereits in der Entwurfs- und Herstellungsphase festgelegt werden, ist transparente und verlässliche Produktinformation entscheidend. Der Digitale Produktpass wurde entwickelt, um fehlende oder fragmentierte Produktdaten entlang der Lieferkette zu überwinden und standardisierte, überprüfbare Informationen über den gesamten Produktlebenszyklus bereitzustellen.
Rechtlich verankert ist der Digitale Produktpass in der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR), die den bisherigen Ökodesign-Ansatz über Energieeffizienz hinaus erweitert und Nachhaltigkeitsanforderungen wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit mit einer verpflichtenden digitalen Datenbereitstellung verbindet.
Die ESPR gilt für nahezu alle physischen Produkte, die in der EU in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen werden – einschließlich Bauteilen und Zwischenprodukten. Nur wenige Bereiche sind ausgenommen (z. B. bestimmte Lebensmittel, Arzneimittel, Tiere und spezielle Fahrzeuge).
Betroffen sind alle Wirtschaftsakteure, darunter:
- Hersteller
- Importeure
- Händler und Vertreiber
Was sind typische Inhalte eines DPP?

- Produktidentifikation (eindeutige Kennung, GUID)
- Material- und Stoffzusammensetzung
- Umwelt- und Nachhaltigkeitsinformationen
- Reparierbarkeit, Lebensdauer, Ersatzteilverfügbarkeit
- Recycling- und Entsorgungshinweise
- Konformitäts- und Sicherheitsnachweise
- Angaben zu Herstellern
Was bedeutet das für Bauprodukte?
Für Bauprodukte gewinnt der Digitale Produktpass durch
die neue Bauproduktenverordnung besondere Bedeutung,
da er die CE-Kennzeichnung um digitale Informationen zu
Materialzusammensetzung, Umweltwirkungen und Lebenszykluseigenschaften
ergänzt.
Die Basis hierfür ist ein strukturierter, digitaler Datensatz,
der relevante Informationen eines Produkts über dessen
gesamten Lebenszyklus hinweg bündelt und zugänglich
macht. Er fungiert als „digitaler Ausweis und Lebenslauf“ und
ersetzt bzw. ergänzt bisherge analoge Produktkennzeichnungen
(Typenschilder, Handbücher, Etiketten).
Somit ist der DPP ein zentrales Umsetzungsinstrument des
European Green Deal, das Transparenz schafft, Kreislaufwirtschaft
ermöglicht und die nachhaltige Transformation
insbesondere im Bausektor unterstützt.
ZUSAMMENGEFASST
Der Digitale Produktpass (DPP) ist ein europäisch geregeltes, digitales Informationssystem, das aus der Ökodesign-Verordnung (ESPR) hervorgegangen ist und schrittweise – auch über die neue Bauproduktenverordnung – verbindlich wird. Damit will man Transparenz, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft für alle Produkte - und somit auch Bauprodukte - sicherzustellen.
Die in den kommenden Monaten noch zu erarbeitende delegierte Rechtsakte, regelt die spezifischen Inhalte des Produktpasses. In diesen münden dann viele bereits bestehende Daten, wie z. B. CE-Leistungserklärung, Sicherheitsdatenblätter, Wartungsanleitungen, etc. nur mit dem Vorteil der digitalen und vor allem zentralen Verfügbarkeit. Dies ist auch der große Vorteil des Produktpasses.
Wichtig zu wissen:
Nach Veröffentlichung des delegierten Rechtsakts haben betroffene Unternehmen in der Regel 18 Monate Zeit bis zur verpflichtenden Umsetzung.

